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Unter großen Künstlern

30. Aug.
2 Min. Lesezeit

Wenn der Wind golden schimmert

stupsen sie sich gegenseitig an, tanzend

und erzitternd, fragend: Wann …

müssen wir unseren Ast verlassen?

Fragt das eine Blatt

Wann dürfen wir fliegen?

das andere

ein weiteres hat es satt

und löst sich wie von alleine

ein Kleines wird vor Schreck

ganz blass und fühlt auf einmal Beine

Was klettert da auf seinem Ast

mit flinken Füßen ohne Rast?

 

Der Baum brummt im Wind

Er fühlt sie alle, jedes Kind

Einige schüttelt er schon ab

und lässt sie gleiten


So musizieren sie mal knapp,

Mal länger den Herbst

Punkten wie Noten auf Saiten

und klecksen Farbe ins Land

 

Der Baum, der Künstler -

Dieser ist mit Monet verwandt

Und der andere dort hinten

ein Expressionist, einer, dem

Wildes noch wichtiger ist:

Lieber als nur gezielt zu tupfen,

lässt er Schatten ins Dickicht schlupfen,

greift mit Ästen wie mit Händen,

um Linien grob zu wenden

 

Ein weiterer zarter Geselle

Steht ruhig und staunt

Er bleibt auf seiner Stelle,

lächelt dann und raunt

seinen Blätter ganz sacht zu:

Ich bin ihr und ihr seid gut,

niemand fällt zu weit von mir

Ihr bleibt ich und ich wie ihr:

Immer Künstler, immer hier

 

Sie alle sehen im Morgenwind

Das rote Tier mit der Nuss,

es gräbt sie ein geschwind

Und lässt – oh, welch Genuss!

einen Freund entstehen,

einen, der Leben gibt, Blatt für Blatt

und mit den Künstlern dieser Kolonie

bald malen wird, in tausend Farben satt

 

Noch ist der Ahorn klein

und grün hinter seinen Ohren

Doch bald wird er mehr sein,

denn auch er ist zum Künstler geboren,

zum Maler dieser Landschaft

mit all den anderen Genies

So schwingt er voller Kraft

Ins Leben und genießt

 

27.08.2026 - Telse Gunhild Weinreich

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