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Herr Herbst

30. Aug.
2 Min. Lesezeit



Wenn das Grün im feuchten Morgen schläft

Dann zieht er ein, der stille und laute Mann

Und zieht dem Wetter den Regenmantel an:

Herr Herbst spaziert durch Wald und Flur

Gedankenschwer in voller Montur

Lässt er mal hier, mal da die Tränen los

wischt Wolken grau, auf einer Schnur

sitzt eine Amsel, die zu singen vergisst

sie plustert sich den Tau heraus

sogar ihre Augen sehen traurig aus

einige Pflanzen hängen geknickt

und braun schon vor ihrem Blick


Doch das hält Herrn Herbst nicht zurück

den sie als Dritten von Vieren hier kennen

die Tiere spüren die Jahreszeiten - verrückt

als ob sie alle genau beim Namen kennen

doch niemand spricht ein Wort oder singt

alles schweigt nun still und dort

beginnt er jetzt zu rennen

mit wildem Mantel hetzt er weiter

über Sand, durch Wälder und Gras

warum rennt er nur, nur so zum Spaß?


Er landet am Ufer und lässt die Wellen gleiten

Dann bleibt er staunend stehen hinter den Weiden:

Der Sonne entgegenzusehen, zu diesen Zeiten

Das liebt der Herr, den viele so sehr meiden


Doch er fühlt alle und noch viel mehr:

Die Farben, den Wind und das Glück

in allen Wettern zu lieben und zu leiden

das hält ihn vor nichts zurück


Allein die goldene Abendstund

legt ihm, dem Vielgereisten

ein Lächeln auf den Mund

er muss nun nichts mehr leisten

am Abend ist’s die Sonne, die große

die ihm Ruhe und eine Pause schenkt


Dann ist er voll Wonne im Schoße

in dem, was er Fülle und Tiefe nennt

verbunden mit allem, durch das er tagsüber rennt

das er bemalt und manchmal mit Blitzen verbrennt


Nun setzt er sich ruhig unter einen Baum ins Gras

schlingt seinen Mantel enger um und denkt

an seine alten Freunde: Frühling, Sommer und Winter

er trifft sie nie – und kommt auch nicht dahinter

warum er ganz allein die Kraft aufbringen muss

die Bäume zu färben und Herr Herbst zu sein ...


So sinniert er und denkt: Bald ist Schluss

dann muss der Winter mal ran und schneien!


Herr Herbst lässt es sein, weiter zu träumen

Er muss morgen die Blätter abräumen

Alle ausziehen, die Büsche und die Äste


So steckt er sich nur eine Blüte in die Weste

Als Erinnerung an die Sonne und die Liebe

Dann entleert er auch junge Triebe

Lässt Blätter rauschen und tanzen

Läuft weiter mit Schwung, ganz frei

Den Weg hinauf und denkt dabei

An sein Versteck im Wald und seine Ruhe


Bald ist’s vollbracht, durchlaufen sind seine Schuhe  

Bald ist alles bereit für die kältere Jahreszeit

Und dann erst ist er fertig, dann - wenn’s schneit                  


28.08.2026 T. G. Weinreich

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