Ein Lobgesang auf die Fantasie
- 29. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
... und Robert Musil
Hier ist sie wieder: Meine unzähmbare Fantasie

Laut Aussage meiner verstorbenen Tante bin ich mit dem Regisseur Wolfgang Petersen verwandt. Ob dies stimmt oder nicht, habe ich noch nicht ausgiebig genug recherchieren können, obwohl es ein Foto von "Wölfi" und meinem Großvater auf einem Badesteg gibt und ich weiß, dass die Familie meiner Großmutter "Petersen" hieß. Aber wie viele heißen in Norddeutschland Petersen!
Ich habe ihm geschrieben. Und leider habe ich seinen Anruf aus Hollywood verpasst (ich gab die Vorwahl ein und sie stammte aus Los Angeles!) und danach habe ich nicht mehr daran gedacht. Aber ich werde es eines Tages noch herausfinden.
Es ist beflügelnd.
Doch ich werde meine eigenen Schwingen benutzen.
Auch ich träume manchmal gern.
Dennoch ist es viel schöner, sich selbst einen Namen zu machen, als den eines eventuellen Vorfahren zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Thyra geht es in meinem neuen Roman ähnlich. Sie erfährt erst nach und nach von ihren nordischen Wurzeln. Und dennoch handelt sie so, wie sie es für richtig hält. Sie ist also fern der Angeberei verwurzelt in dem, was sie - aus sich heraus - macht und machen muss. Und letztendlich - das Kapitel habe ich gerade geschrieben - letztendlich geht es nicht um "Tue Gutes und sprich darüber", sondern im Gegenteil geht es darum, Gutes zu tun und sich bedeckt zu halten, um die Magie aufrechtzuerhalten.
So wünsche ich mir fern aller möglichen Verwandtschaftsgrade und Beziehungen, mit meiner Schreibmagie schöne Impulse in diese Welt zu setzen. Impulse, die in Bild, Wort und (am liebsten auch im) Film in Menschen fließen, um ihnen Zuversicht und Kraft in einem zeitlosen Kosmos voller Fantasie zu geben. In einer Welt, die sie in ihrem Alltag beflügelt.

Doch dabei ist es ihre eigene Kraft zum Glauben an das Mögliche und das Unmögliche, die es ihnen erlaubt, mit jeder Zeile und jedem Bild zu fliegen. Ohne den Gedanken an das gewisse "Was wäre, wenn...?" gäbe es keine Literatur, keine Forschung und nichts Neues. Der Fantasie und dem Möglichkeitsdenken einiger verdanken wir es, dass wir heute Licht in unseren Wohnräumen haben, heizen, telefonieren können, von A nach B in den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln reisen und durch Hubble ins Weltall blicken können.
Natürlich kann ich mich nicht mit solchen Genies vergleichen und das will ich auch gar nicht. Mir ist aber wichtig, hier zu betonen, dass es bei allem um den Geist und die Einstellung geht: Für mich ist es sehr wertvoll, etwas dazu beizutragen, dass die Menschen auch heutzutage nicht ihre Fantasie verlieren und dass sie nicht aufhören zu fragen "Was wäre, wenn...?" und dabei einfach sie selbst sind und bleiben.
Wie viele Menschen bringen viel Fantasie auf, um etwas Neues zu kreieren? Wie viele müssen viel Fantasie aufbringen, um es täglich überhaupt zu schaffen und zu überleben?

Und doch gilt Fantasie noch immer nicht als eine Kraft, wird manchmal vielmehr als eine Schwäche ausgelegt. Als die Bezeichnung für jemanden, der die Realität nicht sieht oder sehen will.
Robert Musil schrieb, dass man solche Menschen nur zu oft als "Fantasten oder Spinner" bezeichnete in seinem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften".
Doch verdanken wir es nicht genau diesen Spinnern und Spinnerinnen, dass viele Missstände abgeschafft werden konnten?
Back to the roots...
Ich habe Deutschland in meinen Auslandsjahren kennen und lieben gelernt. Ich war in einem Krankenhaus in Südamerika. Ich habe in Chile ein Erdbeben überlebt.
Und ich habe mich nach Deutschland gesehnt. Das soll nicht heißen, dass ich alles für gutheiße, es bedeutet nur, dass ich dankbar geworden bin und dennoch Visionen habe von gerechteren Verteilungen.
Aber ich bin keine Politikerin, ich bin eine Schriftstellerin und als eine solche halte ich mich an meine "Leisten" wie ein Schuster und schustere meine fiktiven Welten.
Ja, es gibt sie, die Spinner. Leider auch in verwirrter, narzisstischer Form und leider an Orten, die den "guten Fantasten" vorbehalten sein sollten.
Jeder kann etwas bewirken. Und an erster Stelle steht dabei die Fantasie, der Gedanke, etwas bewirken zu können. Wenn man sich dessen erst einmal bewusst ist, bewusst wird, dass "man" nicht nur ein Rädchen ist, das eingespannt ist, sondern ein eigener Motor, ein Kosmos, und sei es auch im noch so kleinen Rahmen, so kann ein jeder tätig werden und sich für das einsetzen, was ihm persönlich wichtig ist.
Denn:Wenn es Wirklichkeitsmenschen gibt, dann ist es wichtig, die Tatsache zu erkennen, dass sie einen festen Rahmen haben. Der Wirklichkeitssinn ist entscheidend, und wenn er existiert, muss auch der Möglichkeitssinn vorhanden sein. Menschen mit Möglichkeitssinn erfinden und denken, dass Dinge anders sein könnten, was sie von den Wirklichkeitsmenschen unterscheidet, die nur die Realität akzeptieren, wie sie ist.
Danke, Robert Musil!
Bente Amlandt, 29.01.2026




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