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Der sprechende Baum

  • 13. März
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Isobald Eismann-Zitat

Es handelt sich um ein Zitat des nordischen Schriftstellers, den ich für meine Rodiwana-Saga erfunden habe. 



Der Winter ist so lang. So unendlich. Er hat sich über meine Seele gelegt, sogar in der Wüste. Er ist wie ein Stöhnen im Wind, wie ein Hauch, der als Wolke unter Ästen verdampft. Nur eine Amsel spürt ihn, meinen letzten Gedanken im Vorübergehen. Ich bin zu Hause und gehe weiter. Ich bin hier und bin zugleich in meiner Vergangenheit. Ich bin zu Gedichten und zu mir bereit. Die Sterne funkeln. Zeigen Zeichen. Ich sollte nicht von mir, von meinem Weg abweichen. Ich treffe alte Begleiter, alte Wegweiser und Zeitbereiter. Ich treffe in der Tiefe eines Moments, die, für die das Leben brennt. Ich kenne sie wie die Bäume am Wegesrand, ich kenne und spüre ihr verwunschenes Land. Wir sehen uns an und sind eins. Ich atme.

Das Leben ist wie eine Pflanze. Sie wächst und zwirbelt sich hoch. Sie kennt ihren Boden, sie fühlt alles, vor allem ihre Tiefe aus der Erde und ihre Höhe aus der Sonne. Und so schaue ich auf. Sehe meine Wegbegleiter an wie ein Baum einen anderen. Sehe sie und spüre mich durch ihre Wurzeln wandern.

Heute ist ein guter Tag, denn ich habe mich gespürt in allem, was ich sah. Ich war ich in allem und bin hier zu Haus. Ein Baum drehte sich um nach mir, er sah mich an und fragte: „Bist du wirklich hier?“

Ich blieb stehen und strich ihm über die Rinde. Ich atmete tief und fand und finde. Ein Kind läuft durchs Geäst. Ein Kind über Stock und Stein. Ich atmete noch einmal ganz tief ein. „Ja“, sagte ich. „Ich bin hier.“

Er bebte mir entgegen. „Ich bin hier und versuche das Leben.“

Die Rinde wurde warm, ich stand wie weltvergessen. Dann kam es und kam: das Gute, um den Rest zu vergessen. So löste ich mich, sah hinauf zu den Ästen und dachte, es wäre nur zu meinem Besten, im Jetzt zu leben und zu vergessen.

Ich ging weiter und spürte den Baum noch hinter mir beben. Als würde er sagen: „Ja, nun weißt du endlich, richtig zu leben.“


14.03.2026

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