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Das Gasthaus

Heute habe ich in meinem noch nicht ganz fertigen Verkaufsraum gesessen und einige sehr unterschiedliche Menschen bei mir willkommen geheißen. Mitunter geriet das Verkaufen eines Buches zur Nebensache, dann war es wieder das einzige Thema. Trotz meiner Flohmarkt- und Messe-Erfahrung merke ich immer wieder, dass ich mich bremsen muss, um nicht zu viel über meine Bücher zu erzählen und nicht zu schnell zu reden. Beim Lesen des Klappentextes (wenn der Kunde den Klappentext liest) halte ich neuerdings meine Klappe. Und dann dachte ich, dass es verrückt ist, dass mir fremde Menschen einfach für eine Weile zu Gast bei mir sind. Denn so kommt es mir vor, da ich in der Zeit, in der ich keine Bücher verkaufe, diese schreibe oder redigiere. Mein Verkaufsraum ist nämlich gleichzeitig mein Arbeitsplatz. Das will geübt sein.


Ich muss auch noch viel geduldiger werden und abschalten. Wer kommt, der kommt. Wer nur ins Fenster schaut, darf schauen und wer hereinkommt, der bekommt einen Keks. Zumindest zu Ostern.


Nun bin ich beim wirklich nur kurzen Scrollen durch Instagram, ich habe mein Zeit dort komplett reduziert, auf ein Gedicht gestoßen, das vielen ein Begriff sein wird, die sich mit Achtsamkeitsübungen auseinandergesetzt haben. Ich finde es sehr interessant, habe jedoch noch keine deutsche Übersetzung gefunden, die mir 100% gefällt.


Das Gedicht passt zu meinem Gefühl heute: Ich weiß nicht, wer hereinkommt, ob jemand kommt und was passieren wird. Wer auch immer kommt, ich bleibe meist freundlich und heiße ihn oder sie natürlich erst einmal willkommen. Manchmal ist es sehr angenehm, manchmal nicht ganz so schön und mitunter fühle ich mich unwohl während eines Gesprächs.


Kurzum: das folgende Gedicht heißt "Gasthaus" und vergleicht das Leben eines Menschen, "this being human" mit einem Gasthaus / Gästehaus, in dem man unterschiedliche Gäste willkommen heißt / heißen soll. Diese Gäste stehen für unterschiedliche Gefühle.


Ich schreibe es euch hier auf Englisch auf. Ich habe es von dieser Seite: www.mindulfnesstherapy.co.uk


Das Gasthaus ist ein Gedicht des persischen Sufi-Mystikers Rumi aus dem 13. Jahrhundert.


The Guest House


This being human is a guest house.

Every morning a new arrival.


A joy, a depression, a meanness,

Some momentary awareness comes

As an unexpected visitor.


Welcome and entertain them all!

Even if they're a crowd of sorrows,

Who violently sweep your house

Empty of its furniture,


Still, treat each guest honourably.

He may be clearing you out

For some new delight.


The dark thought, the shame, the malice,

Meet them at the door laughing,

And invite them in.


Be grateful for whoever comes,

Because each has been set

As a guide from beyond.



– Rumi from: Barks and Moyne. Copyright 1995 by Coleman Barks and John Moyne, originally published by Threshold Books.


30.03.2024 Bente Amlandt

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