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Tippen am Computer

Schreibstube

Hier sammle ich Zitate und Gedanken, die ich nicht als Blogbeitrag poste. Dies ist meine kleine kreative und nachdenkliche Ecke der Schreibstube. 

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Frau am Strand

Der Stein

 

Ich gehe einen Gang entlang, der sich weit vor mir erstreckt. Auf jeder Seite ein Kaleidoskop von Türen, die in die unterschiedlichsten Welten einladen - stumm und passiv. Hinter jeder Schwelle erwartet mich ein neuer Raum, gefüllt mit Stille und Gegenständen, die wie Wächter vergangener Momente Geschichten in sich bergen. Ich lasse meinen Blick über Regale, Tische und Nischen schweifen, lasse meine Gedanken mit jedem Fundstück auf die Reise gehen.
In einem dieser Räume, auf einer Anrichte, erblicke ich einen Stein, dessen Farben im Licht spielen. Kaum habe ich ihn wahrgenommen, läuft in mir ein Film ab. Szenen einer Strandwanderin, deren Füße den kühlen Sand berühren, spielen sich vor meinen Augen ab. Sie ist allein, bewegt sich am Rande der einsamen Brandung, bückt sich und hebt diesen Stein auf. Sie hält ihn in der Hand. Sie ist am Leben in diesem Augenblick. Wer weiß? Vielleicht vergisst sie ihre Einsamkeit. Vielleicht genießt sie diesen Moment, den Augenblick, das Meeresrauschen. Alles, was ihr der Tag hier, heute und jetzt schenkt. Durch das Halten des Steines wird es wahr. Und diese Wahrheit muss mitgenommen werden wie ein Zeuge der Gegenwart für spätere, düstere Stunden. Ein Glücksbringer voller Wellen, Sonne, Strand und Farben. Er gleitet in ihre Tasche.
Tage oder vielleicht Wochen später findet sie ihn wieder beim Ausmisten ihrer Tasche im Büro. Erinnert sie sich an den Tag, den Moment? Das bleibt ihr Geheimnis. Sie legt den Stein zwischen Kerze und Kalender ab. Dort thront er nun wie eine Trophäe, eine kleine Opfergabe fürs Universum in ihrem ansonsten recht sterilen und karg eingerichteten Büro. Doch ich sehe ihn und ich spüre diese ganze Geschichte in mir in einem Moment ohne Zeit. Denn der Stein verschluckt alles um sich herum, er transportiert nur dieses Gefühl, diese Mischung aus Einsamkeit und Glücksmoment in einem. Zwei Seiten einer Medaille. Freiheit und Schwere, Festhalten und Loslassen, Gehen und Bleiben.
Der Stein, nun seiner Umgebung entfremdet, liegt vor mir als ein stiller Begleiter und Zeuge einer Erinnerung, die nur ihr gehört, der Frau, die hier mehr Stunden am Tag verbringt als ich, der Person, die hier arbeitet. Er ist das Bindeglied zwischen einem Tag am Meer und diesem kühlen Büroraum.
Beim Verlassen des Zimmers bemerke ich eine Traurigkeit, die mich befällt. Sie kommt mir vor wie ein Echo der Einsamkeit, die ich soeben gespürt habe. Tränen steigen mir in die Augen. Und ich kann nicht anders: Ich muss mit dem Kopf schütteln und denke, wie verrückt es ist, dass ich mich soeben selbst zu Tränen gerührt habe mit einer Geschichte, die doch vermutlich nur meiner Fantasie entsprungen ist. Oder? Oder habe ich die wahre Stein-Geschichte zufällig aus seinem Dunstfeld aufgeschnappt im stillen Büro am Abend?
Meine Schritte hallen im Korridor wider, während ich über die Unwahrscheinlichkeit meiner Eingebung nachdenke. Könnte dieser Stein nicht einfach nur ein Stein sein? Ist er nicht nur zufällig hier abgelegt worden und bedeutet rein gar nichts?
Nein. Der Verdacht nistet sich hartnäckig in mir ein: Dinge an einem solchen Ort, an einem Schreibtisch, an dem täglich Leben gestaltet wird, sind selten bedeutungslos. Sie sind Ankerpunkte in einem Meer von Alltag, kleine Leuchtfeuer, die uns navigieren helfen.
Es bleibt das Rätsel dieser stillen Symbole, die viel mehr bedeuten können, als der flüchtige Blick es vermuten lässt. Und in diesem Nichtwissen liegt die Poesie, die mich umfängt, wenn ich die nächste Tür öffne und mich auf Entdeckungsreise begebe in Räume, die den Schatten vergessener Geschichten bergen. Dabei bin ich nicht einmal neugierig. Es ist nur so, dass die Räume mir Geschichten erzählen und dass die Gegenstände, die in ihnen liegen, oft weitere Kapitel in meinem Kopf entstehen lassen. So nehme ich immer etwas mit, wenn ich einen Raum verlasse und nur selten lasse ich etwas da. Vielleicht bleiben nur ein - zwei meiner Gedanken hängen, die ein anderer auffangen wird.

 

Copyright Bente Amlandt, geschrieben am 06.04.2024

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Das Gasthaus

 

Heute habe ich in meinem noch nicht ganz fertigen Verkaufsraum gesessen und einige sehr unterschiedliche Menschen bei mir willkommen geheißen. Mitunter geriet das Verkaufen eines Buches zur Nebensache, dann war es wieder das einzige Thema. Trotz meiner Flohmarkt- und Messe-Erfahrung merke ich immer wieder, dass ich mich bremsen muss, um nicht zu viel über meine Bücher zu erzählen und nicht zu schnell zu reden. Beim Lesen des Klappentextes (wenn der Kunde den Klappentext liest) halte ich neuerdings meine Klappe. Und dann dachte ich, dass es verrückt ist, dass mir fremde Menschen einfach für eine Weile zu Gast bei mir sind. Denn so kommt es mir vor, da ich in der Zeit, in der ich keine Bücher verkaufe, diese schreibe oder redigiere. Mein Verkaufsraum ist nämlich gleichzeitig mein Arbeitsplatz. Das will geübt sein.

 

Ich muss auch noch viel geduldiger werden und abschalten. Wer kommt, der kommt. Wer nur ins Fenster schaut, darf schauen und wer hereinkommt, der bekommt einen Keks. Zumindest zu Ostern.

 

Nun bin ich beim wirklich nur kurzen Scrollen durch Instagram, ich habe mein Zeit dort komplett reduziert, auf ein Gedicht gestoßen, das vielen ein Begriff sein wird, die sich mit Achtsamkeitsübungen auseinandergesetzt haben. Ich finde es sehr interessant, habe jedoch noch keine deutsche Übersetzung gefunden, die mir 100% gefällt.

 

Das Gedicht passt zu meinem Gefühl heute: Ich weiß nicht, wer hereinkommt, ob jemand kommt und was passieren wird. Wer auch immer kommt, ich bleibe meist freundlich und heiße ihn oder sie natürlich erst einmal willkommen. Manchmal ist es sehr angenehm, manchmal nicht ganz so schön und mitunter fühle ich mich unwohl während eines Gesprächs.

 

Kurzum: das folgende Gedicht heißt "Gasthaus" und vergleicht das Leben eines Menschen, "this being human" mit einem Gasthaus / Gästehaus, in dem man unterschiedliche Gäste willkommen heißt / heißen soll. Diese Gäste stehen für unterschiedliche Gefühle.

 

Ich schreibe es euch hier auf Englisch auf. Ich habe es von dieser Seite: www.mindulfnesstherapy.co.uk

 

Das Gasthaus ist ein Gedicht des persischen Sufi-Mystikers Rumi aus dem 13. Jahrhundert.

 

The Guest House

 

This being human is a guest house.

Every morning a new arrival.

 

A joy, a depression, a meanness,

Some momentary awareness comes

As an unexpected visitor.

 

Welcome and entertain them all!

Even if they're a crowd of sorrows,

Who violently sweep your house

Empty of its furniture,

 

Still, treat each guest honourably.

He may be clearing you out

For some new delight.

 

The dark thought, the shame, the malice,

Meet them at the door laughing,

And invite them in.

 

Be grateful for whoever comes,

Because each has been set

As a guide from beyond.

 

 

– Rumi from: Barks and Moyne. Copyright 1995 by Coleman Barks and John Moyne, originally published by Threshold Books.

 

30.03.2024 Bente Amlandt

Blatt

Ins Blatt gedacht

 
Ein Wünschelruten-Moment

Als Kind bin ich oft auf Lady, einem Pferd des Reiterhofes meiner Heimatstadt, ausgeritten. Am liebsten bin ich immer bis zum Waldrand galoppiert. Lady schien unter mir zu fliegen, während mir der Wind um die Ohren pfiff. Sobald ich die magische Grenze erreicht hatte, an der der Wald in die offene Lichtung überging, verlangsamte ich das Tempo. Unter einer Eiche, die ihre Äste wie Arme in den Himmel streckte, vollzog ich dann ein kleines Ritual. Ich streckte meine Hand aus und pflückte eins ihrer Blätter. Danach hielt ich dieses an meine Wange, schloss die Augen und dachte meine geheimen Wünsche hinein. Ich stellte mir vor, wie das Blatt meine Wünsche zu den Geistern des Waldes tragen würde. Und während ich es wieder losließ und es zum Waldboden hinuntersegelte, fühlte ich mich oft ganz erfüllt. Ich war mir sicher, dass mein Wunsch in Erfüllung gehen würde oder dass etwas Gutes geschehen würde. Das war mein ganz persönlicher Wünschelruten-Moment.

Bente Amlandt am 05.04.2024

großer Baum

Vom Winde verweht...

 
Menschliche Beziehungen / Menschen / Freundschaften verglichen mit den Teilen eines Baumes

Liebe Leserinnen und Leser,
in einem heute Morgen auf Instagram gesehenen englischen Reel, einem Kurzvideo, wurde ein interessanter Vergleich zwischen Menschen und Teilen eines Baumes gezogen. Die Menschen um uns herum wurden mit den Blättern, Ästen und Wurzeln eines Baumes verglichen. Die Botschaft des Videos hat mich gerührt und dazu inspiriert, einen eigenen Text dazu auf Deutsch zu schreiben, der nun folgt. 

In der Vielfalt menschlicher Beziehungen finden wir Menschen, die in unserem Leben eine ähnliche Rolle spielen wie Teile eines Baumes. Es gibt die Blätter-Menschen, flüchtige Bekanntschaften, die Freude und Leichtigkeit in unser Leben bringen. Sie begleiten uns durch Phasen des Glücks, bleiben aber nicht, wenn die Herausforderungen kommen. Sie flattern mit dem Wind des ersten starken Sturms davon. Sie zeigen uns, wie kostbar und flüchtig manche Begegnungen sein können.

Dann gibt es die Ast-Menschen. Diese Verbindungen sind enger und dauerhafter. Sie tragen uns, teilen Lasten und geben Halt. Aber auch diese Bindungen haben ihre Belastungsgrenzen und können zerbrechen, wenn die Last zu groß wird. Ast-Menschen lehren uns, Vertrauen zu haben, aber auch, dass selbst starke Bindungen ihre Grenzen haben.

Am wichtigsten sind jedoch die Wurzel-Menschen. Selten sichtbar, aber immer präsent, sind sie das Fundament, auf dem wir stehen. Sie geben uns Halt, den wir oft erst bemerken, wenn die Zeiten schwierig werden. Ihre Verbundenheit mit uns ist tief und fest, ihre Liebe bedingungslos. In ihrer Gegenwart erfahren wir, was wahre Unterstützung und Loyalität bedeuten.

Bente Amlandt am 04.04.2024

Schreiben am Strand

Weniger ist für mich mehr

 
Warum ich bei Instagram, Facebook und Co nicht in den medialen Dauer-Dialog gehen kann und möchte:

Es gibt Gründe, warum ich mich auf Instagram zurückhalte und nicht in endlose Diskussionen verwickelt werden möchte.
 

In meinen 20 Jahren als Lehrerin musste ich ständig mit anderen kommunizieren, fremde Bedürfnisse berücksichtigen und mein Handeln auf diese und viele unterschiedliche Anforderungen abstimmen. Feedback, Austausch und ständiger Dialog waren meine täglichen Hauptaufgaben mit Hunderten von Menschen. Diese intensive Kommunikation und das ständige Anpassen an andere haben mich jedoch auf Dauer krank gemacht, da ich meine eigenen Bedürfnisse vernachlässigt habe.

Deshalb genieße ich es jetzt, meine eigenen Bücher zu schreiben und meinen eigenen Laden zu betreiben, ohne mich von anderen vorschreiben zu lassen, was zu tun ist. Jetzt genieße ich die Freiheit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, wenn ich meine Bücher schreibe und mein eigenes Unternehmen, meinen kleinen Laden, führe. Ich will nicht mehr in andere hineinhorchen oder nachfragen müssen, keine Ratschläge erhalten, es nicht machen müssen wie XYZ und nicht mehr bevormundet werden. Davon habe ich nach 20 Jahren genug.

 

Deshalb kann es passieren, dass gut gemeinte Ratschläge bei mir auf Ablehnung stoßen, weil ich nicht mehr dazu bereit bin, ständig auf andere zu hören, mein Handeln mit ihnen abzustimmen oder mich mit ihnen zu beraten und dabei wieder einmal meinen eigenen Kopf und Bauch zu ignorieren und meine eigenen Grenzen zu überschreiten.

 

Wenn ich dadurch nicht die Menge an Leserinnen und Lesern gewinnen kann, die ein ständiger medialer Dialog ermöglichen würde, dann ist das eben so. Der Preis ist mir zu hoch, denn ich tue das, was ich jetzt tue, gerade weil ich nicht mehr ausschließlich für die Erwartungshaltung anderer lebe, sondern zu mir selbst komme.

Bente Amlandt am 16.03.2024

Graffiti-Augen

Der Protagonist, der in mir ist

 
Ohne abzusetzen geschrieben, zu lesen wie ein Poetry-Slam-Beitrag

Wer möchte in einem Haus ohne Fenster leben?

Wer möchte atmen ohne zu reden

Hineingehen in die Tiefe der Ideen,

die in mir schlummern

Das sind Federn, die verwehen

Ideen und Träume, die verwundern:

da wartet ein Mann an einem Brunnen

es steht ein Junge auf dem Steg

da singt ein Pferd, beginnt zu summen

und ein Cyborg schwebt,

bis sich eine neue Stimme erhebt

und sich selbst belebt

wie aus dem Nichts und Nebel

fällt ein Protagonist in Pech und Schwefel.

Was sein Leben ist, sind meine Tasten,

was aus dem Eben fließt zu meinen Lasten

in die Seiten hinein die Geschichten

preschen mich weiter zum Verdichten,

lassen nicht locker und geben mir die Sporen

auch ein Hörbuch wird geboren

erst ein, dann zwei, dann drei und vier

Self-Publishing das rate ich dir

Auf mich wartet kein Verlag oder doch

frage ich noch und sehe auf

Aber ein Protagonist in mir steht auf

Und fragt, ob er dann noch so könnte

So frei in seinem Lauf

Ob ich’s ihm gönnte

Oder ihn verkauf

Als bloße Idee nur in die Welt geworfen

Fühlte er sich verloren

Auf dem großen Markt der Giganten

Und suchte Freunde unter Verwandten

Ob ich das riskieren würde

Ihn zu schubsen weit hinaus

Ob ich ihn verlieren würde

Ach, was mach ich draus?

Ich bleibe ihnen treu,

den Figuren, die aus mir kommen,

ich gebe sie auch frei

und denke ganz versonnen:

Wenn einer nur von ihnen

Dich heut erreichen könnt

Er würde es verdienen

Dass du ihm Ohren schenkst

Und Augen und Vertrauen

Denn wir Selfpublisher bauen

Auf Ideen nur und Figuren

Die aus dem feinen Zwirn der Fantasie

Gewebt sind liebevoll wie nie

Und echt und unrasiert

Oder bärtig trampelnd zu dir kommen

Lachend und ungeniert

Dich bitten oder trommeln,

wenn sie aus den Seiten steigen,

um dir ihre Welt zu zeigen,

dann nimm ihre Hand und lass dich ziehen

Vergiss die Zeit, lass alles raus und komm herein

Was für dich ist: Hier kannst du sein.

 

geschrieben am 14.02.2024

 

Ich wünsche allen einen schönen Valentinstag!

 Bente Amlandt

Eltern und Tochter

 

 

ZITATE

Manchmal ist es so, als ob das Leben einen seiner Tage herausgriffe und sagte: ›Dir will ich alles schenken! Du sollst solch ein rosenroter Tag werden, der im Gedächtnis leuchtet, wenn alle anderen vergessen sind.‹ Dies ist so ein Tag.

Malin, aus Ferien aus Saltkrokan, Astrid Lindgren

Mutter und Tochter

 

 

„Man trägt ja jedes Alter in sich. Manchmal guckt das eine raus, ein andermal das andere.“

Astrid Lindgren, Dagens Nyheter, 8. September 1959.

Gesetzgebung

Watanabe bleibt Watanabe!

 

Hinweise zu Änderungen in meinem Roman: 

 

Erneute Namensänderung am 30.01.2024 'Watanabe' ist doch okay, es ist ein normaler japanischer Nachname! Danke für den Hinweis, lieber Zhang Kai-En!

geschrieben von Bente Amlandt am 30.01.2024

Füße im Wasser

 

 

 

„Selbst wenn sie einmal so bedauernswerte Vierzigjährige wurden, wie sie eben prophezeit hatte, würden sie sich doch an ihre herrlichen Sommerspiele erinnern, an das wundervolle Gefühl, wie man an Sommerabenden mit nackten Füßen über das weiche Gras der Prärie lief, wie das Wasser des Baches einem warm und freundlich zwischen den Zehen perlte, wenn man über Eva-Lottas Steg platschte, auf dem Weg zu einer entscheidenden Auseinandersetzung, oder wie die Sonne durch die offenen Luken so lange in den Bäckereiboden schien, bis sogar die Holzbalken nach Sommer rochen.“

aus Kalle Blomquist, Eva-Lotta und Rasmus, Astrid Lindgren

Mutter und Kind am Strand

Der Song "Sense of Doubt" von David Bowie

 

Gerade habe ich für meinen neuen Instagram-Beitrag (Reel) einen Song von David Bowie gefunden, der wunderbar zur Stimmung passt, die zu Beginn des 2. Bands von "Welt ohne Erde" herrscht. Dann habe ich mich über die Bedeutung des Textes und die Entstehung des Songs informiert und war fasziniert, denn zu Beginn meines Science-Fiction-Romans "Luminarische Krieger" spielen auch Spielkarten eine Rolle und Zufälle und Fantasie sowieso! Und nun las ich Folgendes über den Song von David Bowie: Ins Deutsche übersetzt:

Der Produzent Brian Eno entwickelte einen Satz von "Oblique Strategies"-Karten, die kryptische "Anweisungen" enthielten, um bei den Aufnahmen zum Album Heroes zu helfen. Eno und Bowie wählten nach dem Zufallsprinzip eine Karte aus und hielten sie vor dem anderen geheim. Bowie wählte "Betone die Unterschiede", während Eno "Versuche, alles so ähnlich wie möglich zu machen" auswählte, und dieses Paradoxon bildete die Grundlage für dieses düstere, aber stimmungsvolle Instrumentalstück. Eno sagte: "Es war wie ein Spiel. Wir arbeiteten abwechselnd daran; er machte einen Overdub und ich den nächsten, und er den nächsten... Ich versuchte, es zu glätten und zu einem Kontinuum zu machen, [während] er versuchte, das Gegenteil zu tun. Quelle

 

Lu C. Ohm, geschrieben am 18.01.2024

Flow und Fantasie

Die Protagonisten meiner Romane, vor allem der Rodiwana-Reihe, zeichnen sich durch ein reiches Innenleben aus. Einige von ihnen, wie Erik und Solveig, haben besonders sensible Antennen und nehmen mehr wahr als andere. Die Fantasie spielt in allen meinen Romanen eine große Rolle und ist die treibende Kraft, aus der alles entsteht. 

Ich plotte", aber seit 2023 konstruiere ich immer mehr, um nicht zu sehr auszuufern und eine schnellere Handlung zu entwickeln. Besonders deutlich wird das in meinem Roman "Luminarische Krieger", der im Januar 2024 erschienen ist und eine in sich geschlossene, spannende Handlung hat. Aber auch diese Handlung hat sich weitgehend von selbst entwickelt. 

Ich kann überhaupt nicht nach "Rezept" schreiben. Selbst wenn ich mir aufschreibe, was als Nächstes kommen soll, schreibe ich immer genau da weiter, wo ich gerade bin, und manchmal fügt sich wie durch ein Wunder alles so zusammen, dass die Handlung rund wird. Ich liebe es, mich beim Schreiben zu überraschen. 

Manchmal muss ich weiterschreiben, um zu sehen, wie es weitergeht. Dann entwickelt sich die Handlung wie von selbst und ich tippe sie scheinbar nur mit. 
In einem solchen zeitlosen Moment / Zustand, der über Stunden andauern kann, schaue ich auf den entstehenden Text, während meine Finger sich scheinbar verselbständigen. Obwohl ich kein großer Fan von Anglizismen bin, nenne ich es "Flow" oder "im Flow sein" und genieße diesen Zustand.

Der Nachteil ist manchmal, dass ich abends keine Filme mehr anschauen kann, weil ich zu sehr in meinen Roman vertieft bin.​

geschrieben von Bente Amlandt am 12.01.2024

Mädchen mit Teddybär

 

 

In dir

 

Das laute Kind

wollte gehört werden.

Das leise Kind

versteckte sich.

Es ist eins

in dir...

22.01.2024

Frau am Strand
Ein wiedergefundener Gedanke:

Je mehr sie nach außen lebten, desto mehr lebte ich nach innen.

Mädchen mit Zöpfen

 

„Lotta, du musst nicht dazwischenreden, wenn große Leute sich unterhalten. Du musst warten, bis sie fertig sind.“ „Haha“, sagte Lotta, „das hab ich doch versucht, aber das hat keinen Zweck. Die werden nie fertig.“

Die Kinder aus der Krachmacherstraße. Astrid Lindgren

Stationary photo

Für wen schreibe ich?

Ich schreibe

für die Personen in meinem Kopf. Für die Charaktere, die in mir sind.

Ich schreibe für Lando, für Isobald Eismann...

Und all die anderen, die herauswollen.

Das habe ich gerade gelesen:

 

Je älter wir werden, desto kleiner werden

unsere Wunschzettel. Denn die Dinge,

die wir uns wirklich wünschen,

kann man nicht kaufen.

Mädchen mit Pfeil und Bogen

 

 

„Spunk!“, sagte Pippi triumphierend. „Spunk?“, fragte Tommy. „Was bedeutet das?“ „Wenn ich das bloß wüsste“, sagte Pippi. „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es nicht Staubsauger bedeutet.“

Aus Pippi findet einen Spunk 

Astrid Lindgren 

Citrus Fruits
Schloß Moritzburg

Meine Freunde, die Millionäre

Ich zitiere hier eine Nachricht, die ich per Messenger erhalten habe:

Guten Morgen ! Ich hoffe, es geht dir gut ?....

Mein Name ist ... deutscher Herkunft, aber derzeit in Frankreich im Krankenhaus. Ich bin der Manager eines Mineralwasserherstellers, ich bin 47 Jahre alt. Beim Surfen im Internet trotz meiner schlechten Gesundheit und Sichtbarkeit bin ich auf Ihr Profil gestoßen, weil ich Ihr Profil auf meiner Add-On-Liste gesehen habe und es für seriös und verantwortungsbewusst empfand. Ich hoffe wirklich, du bist ein Gläubiger wie ich?

Da möchte ich Ihnen Geld spenden. eine Spende von 265.000 € .. Ich würde gerne wissen, ob Sie an meiner Spende interessiert sind? Ich warte auf deine Antwort.

ACHTUNG SATIRE: Es folgt mein Entwurf - Fake-Antwort auf die Fake-Anfrage:

 

Hallo, ich bin sehr froh, dass du mir schreibst, da ich mich zufällig in einer ähnlichen Situation befinde. Es ist so schön, dass wir uns hier treffen, denn du machst auf mich einen sehr seriösen Eindruck und scheinst sehr verantwortungsbewusst zu sein. Dein Deutsch ist noch nicht so gut, aber ich kann dich verstehen, und das ist ja die Hauptsache! Ich bin im Vorstand eines großen deutschen Konzerns tätig, dessen Namen ich hier nicht nennen kann. Ich würde mich gerne mit dir zusammentun, um einen Fonds für Leute zu gründen, die zu viel Geld haben und nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Bitte schick mir deine Kontaktdaten, damit wir den Fonds gründen und unsere Gelder zusammenlegen können. Viele Grüße und bis bald!

Frau am Wasser

Meine persönliche Gedankensammlung zum Thema "Zeit" und "Älterwerden"

Woher kommt die Bezeichnung "Alter"?

Herkunft: mittelhochdeutsch alter, althochdeutsch altar, germanisch *aldra-, indogermanisch *altro-, das zur Wurzel *al- „wachsen, nähren“ gehört; das Wort ist seit der Zeit um 800 belegt. Synonyme: Lebensalter.

Zeit

In einem Hörspiel hörte ich vor einiger Zeit die Formulierung: „Kennen wir uns noch aus einer Zeit, in der wir noch mehr Leben vor uns hatten?“ Das hat mich berührt.

 

Nun, da ich selbst den Zenit überschritten habe, setze ich mich hin und wieder zwangsläufig mit dem Thema „Zeit“ und mit dem Älterwerden auseinander.

Älterwerden

Kennen Sie den Spruch: Jeder will alt werden, aber keiner will es sein?

 

In unserer Gesellschaft scheint das Altwerden nicht mehr so zu existieren wie früher, denn jeder will möglichst lange jung, jugendlich, fit, chick und sportlich aussehen und sein. Früher gab es noch richtige Omas mit Faltenröcken, Dauerwelle, süßem Parfum, Pelzmänteln, auf breiten Sockelabsätzen neben den Opas mit Gehstöcken, Schiebermützen und Zeitungen unterm Arm. Klischee-Bilder, stimmt. Aber die Klischee-Bilder gab es wirklich so. Und nun, ob es stürmt oder schneit, sieht man Senioren in engen Radlerhosen, Frauen mit Laufstöcken beim Walken (Sprechen Sie das mal Deutsch aus!) und auch an der Promenade am Strand springen die älteren Damen und Herren noch im Herbst in die Ostsee, um eine waghalsige Runde zu schwimmen, weil sie das „immer schon so gemacht“ haben. Sie sind fitter als die Mittelalten und am liebsten dann im Auto bei einer Spazierfahrt unterwegs – da haben sie keine Eile, an Kassenschlangen schon - , wenn man selbst es eilig hat. 

Da ich mir bewusst bewusst machen muss, dass auch ich vielleicht irgendwann mit meinem Auto über Landstraßen schleichen werde (wenn ich Glück habe und noch fahren kann und noch eins habe) und an der Kasse hoffen werde, vorgelassen zu werden, weil es hier oder da schmerzt oder ich einen Arzttermin habe, denke ich, dass ich nachsichtiger sein sollte und mehr Geduld haben sollte. In Südamerika hatte ich die Geduld doch auch. An den ewig langen Schlangen mit den Paraguayern...

Woher kommt der Begriff "Eltern"?

Eltern. Das deutsche Wort „Eltern“ (von indogermanisch al „nähren, wachsen“) ist im frühen Mittelalter durch die Gleichsetzung der Begriffe von Vater und Mutter entstanden (althochdeutsch eltiron um 765 n. Chr.).

Wie alt fühlt man sich? Gibt es ein festes inneres Alter? Vielleicht!

Zeit - mit der Uhr gemessen - ist in unserer jeweiligen Wahrnehmung der Wirklichkeit etwas sehr Subjektives. Genauso wie das innerlich empfundene Alter, von dem aus wir uns selbst wahrnehmen. Ich glaube, jeder bleibt in irgendeinem Lieblingsalter hängen und hat dort sein Selbstbild kleben, so dass er jedes Mal erschrickt oder nicht jedes Mal, aber häufiger, wenn er in den Spiegel schaut und sich fragt: Wer ist das? Wer soll das sein? Ich? Ich fühle mich doch ganz anders! - Das entspricht nur meiner subjektiven Wahrnehmung und den Erzählungen anderer. Um das wissenschaftlich zu belegen, müsste ich recherchieren, was ich vielleicht noch tun werde. Siehe oben: Dies ist meine Sammelecke!

Absurd - Was ist echt?

Ich glaube, so etwas ist mir kürzlich passiert: Der Zusammenprall des inneren, gefühlten Alters mit dem äußeren Erscheinungsbild. Es war ein Gefühl der Absurdität, des Unechten, und doch war es realer, weil das Äußere ja wirklich sichtbar war. Aber war es auch echter? Ist nicht das innere Lebensgefühl, das gefühlte Alter echter und wichtiger? ... Zur Situation: Ich stand während einer Fernsehsendung auf, ging zur Toilette und erschrak über meinen Anblick im Badezimmerspiegel. Hatte ich mich doch gerade so lustig und albern mit meinem Mann aufgeführt und mich so jung gefühlt und dann das! Ein Gesicht mit Lachfalten, das älter war, als ich mich fühlte! Daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Aber zum Glück bin ich viel zu beschäftigt, um eitel zu sein. Und zum Jammern ist mir die Zeit zu schade (was nicht heißt, dass ich ganz ohne auskomme!).  Ja: Jedem Alter wohnt ein Zauber inne. Nur je älter man wird, desto mehr überwiegt wohl der innere Zauber. :-)

 

Die perfekten Erwachsenen ohne Kindheit?

Ich glaube, es geht auch umgekehrt: Manchmal gibt es Zwanzigjährige, die innerlich sechzig sind. Haben Sie die neuen, jungen Nachrichtensprecher gesehen? Und diese eigentlich doch noch jungen Leute in perfekten (auch altmodischen - altmodisch ist ja das neue 'MODERN') Kostümen, in Anzügen, mit drei Studienabschlüssen, vier Kindern, Büchern, Kochsendungen, Blogs und... Sie wissen, was ich meine. Ja, die sind bestimmt schon erwachsen auf die Welt gekommen. Sie beeindrucken mich. Und sie machen mir Angst. Was für eine Gesellschaft sind wir, wenn wir keine Zeit mehr für die Kindheit haben?

Religiöse Meditation

Es ist, als stünde mein Buch mit ausgebreiteten Armen auf dem Marktplatz ... oder: So fühlt sich Lovelybooks an

Es ist, als stünde mein Buch nackt mit ausgebreiteten Armen auf dem Marktplatz und wartete darauf, erschossen oder von einem der vielen Pfeile der Schaulustigen durchbohrt zu werden. Und doch hat bis jetzt jeder meiner Romane diese Prozedur überlebt, besser noch: er wurde manchmal sogar stürmisch umarmt, durfte ein paar Stufen hinauf- oder hinabsteigen, um sich große, gute Reden anzuhören oder kürzere Grußworte und Beschreibungen, die er selbst als wunderbar wertschätzend, ungewöhnlich, zutreffend oder nicht ganz zutreffend und vielleicht sogar als unzutreffend, weil nicht gelesen und daher fehl am Platze und verletzend empfunden hat. Und so stehe ich in der Ferne am Fenster, schaue hinüber zu meinem nächsten Roman da hinten auf dem Marktplatz und rufe ihm zu: „Halte durch! Habe Mut! Stell dich!“ Und stehe unversehens neben meinem Buch, muss aufpassen, dass ich mich nicht zu seinem Anwalt aufspiele oder mit den Kritikern gemeinsame Sache mache und mich an einem schlechten Tag gar zu selbstzerfleischenden Äußerungen hinreißen lasse. Das Buch ist das Buch, der Roman ist die Welt, die er so und nicht anders in sich zusammenhält. Was und wie jeder andere dieses oder jenes geschrieben hätte, ist interessant, es ändert aber nichts an dem Buch, das da fest an seinen Seiten hält, zitternd vor der Menge steht, noch immer stolz seinen Umschlag hebt und von Sternen träumt. Manche Sterne sind teuer erkauft, andere bleiben ganz aus. Mal stehen viele auf dem Marktplatz, mal nur wenige. Einige beginnen zu klatschen, andere fallen mit ein. Manchmal regnet es in Strömen und das nasse Buch wartet vergeblich auf ein Wort. Es bleibt durchnässt da, während andere sich am Ofen wärmen oder sich schlafen legen. Was aber niemand weiß, ist, dass dieses liebe Buch, dieser Roman, nach der Prozedur die Bretter des Forums wieder verlässt und zu seiner geliebten Familie zurückkehrt, in den Schoß der Fließenden, der Liebenden, der Bauchmenschen, zu seinen Freunden, seinen Lieben und Leiden, seinen Fortsetzungen, zu den Utopien, in die mittelalterlichen Städte, in all die fernen Galaxien, und schließlich steht es nur zum Schein noch in meinem Regal, denn es reist oft, besonders nachts, bis zu all den Sternen, die niemand kennt und die niemandem gehören

 

Copyright by Bente Amlandt / Lu C. Ohm 2023 - Eine Veröffentlichung und Verbreitung der hier gezeigten Texte ist ohne eine Genehmigung der Autorin nicht gestattet. 2023

Hände halten Dove

Gedicht von Bente Amlandt
Zwischen den Zeiten

Zwischen den Zeiten

fallen die Blätter

seitenweise wie Gedanken

segeln zu Boden

braun, grün, gelb

sind deine Wege

feuchte Luft

hängt dir schwer

auf deinen Lippen

beim Heben des Kopfes

siehst du ein leeres Nest

der Boden rutscht dir

unter deinen Füßen

weg wie der Tag

 

 

25.10.2023

Copyright by Bente Amlandt / Lu C. Ohm 2023 - Eine Veröffentlichung und Verbreitung der hier gezeigten Texte ist ohne eine Genehmigung der Autorin nicht gestattet. 2023

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